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Inklusion mit Andy und Michael

Andreas Neuhäuser (51) ist seit Geburt schwerbehindert – Michael Amerein (43) hilft ihm

Andy Neuhäuser ist trotz seiner schweren Körperbehinderung eine Frohnatur. „Ich will unter die Leute, das Leben leben und mein Freund Michael ist mir eine große Stütze, wir ergänzen uns, das ist praktische Inklusion“, sagt Neuhäuser.

Andy und Michael tauchen immer im Doppelpack auf, bei vielen Veranstaltungen in Oberkochen, im gesamten Ostalbkreis und weit darüber hinaus. Jüngst war man auf dem Cannstatter Volksfest und das Blechduell von SWR 4 hat man gemeinsam genossen. Man besuchte gemeinsam den Schwörmontag in Ulm, ist bei Weihnachtsmärkten präsent und bei Konzerten.
Andreas Neuhäuser leidet unter einer schweren Körperbehinderung, die sich mit dem Älterwerden verschlimmert hat. Seit sechs Jahren sitzt er im Rollstuhl, muss rund um die Uhr betreut und gepflegt werden. Vater Hugo Neuhäuser ist vor zwei Jahren verstorben. Mutter Anneliese betreut den Sohn mit großem Engagement, aber die 77-Jährige muss mit ihren Kräften haushalten, und „so war es eine glückliche Fügung, dass wir uns wiedertrafen“, sagt Andy.

Michael und Andy kennen sich eigentlich schon seit der Kinderzeit. Michael Amerein wohnte in der Nachbarschaft, aber nach dessen Umzug hatte man sich aus den Augen verloren. „Über einen Bekannten, der mir erzählt hatte, dass der Andy eine Unterstützung sucht, haben wir uns wiedergetroffen und wir sind eine verschworene Gemeinschaft geworden“, erzählt Michael. Aus weniger wurde mehr, aus einem Herantasten wurde ein Stück Inklusion. „Ich liebe es, unter den Leuten zu sein, und wir gehen gemeinsam auf viele Veranstaltungen“, erzählt Andy begeistert. Wo auch immer Blasmusik geboten wird, Andy und Michael sind mit von der Partie. Andy durchforstet die Homepages der Musikvereine in der Region, gemeinsam zurrt man das Wochenende-Programm, damit die Vorfreude Passform bekommt.

„Blasmusik ist Herzblut für mich, aber auch die Veranstaltungen meiner so geschätzten Narrenzunft hier in Oberkochen“, sagt Andy, der das Organisationstalent seines Freundes lobt. „Er sucht mir einen schönen Platz aus, führt mich zur Toilette, er schaut, dass es mir gut geht und ich die Veranstaltungen genießen kann“, freut sich Andy und er fügt hinzu: „Natürlich kracht es zwischendurch auch mal, aber wir finden immer einen Kompromiss.“

Wenn die beiden unterwegs sind, kann es schon mal Mitternacht werden, so Andy und Michael unisono. Michael hilft auch bei Dingen des täglichen Lebens wie etwa bei Arztbesuchen „oder wenn mal am Computer ein Stecker lose ist“, erzählt Andy. Andreas Neuhäuser hat 25 Jahre lang als Anwendungsprogrammierer bei Carl Zeiss gearbeitet. Bis zu dem Tag, als es einfach nicht mehr ging, als die Behinderung es nicht mehr möglich machte. Ein Computer-Freak ist er geblieben. Als Webmaster ist er geschätzt bei zahlreichen Vereinen. Die Homepages des Albvereins, der Schlaggawäscher, des Heimatvereins und des Sängerbunds hat er entwickelt und er sorgt für deren Pflege. Seine Dienste nimmt auch der Körperbehindertenverein Ostwürttemberg gerne in Anspruch. „Jüngst hat mich der Vorstand des Musikvereins Unterkochen angesprochen, die Homepage zu übernehmen“, erzählt Andy. Vieles macht er rein ehrenamtlich, einige Vereinsvertreter lassen sich hin und wieder „zu einer Aufwandsentschädigung hinreißen“. Michael Amerein, der Andy rein ehrenamtlich begleitet, schätzt „den nimmermüden Lebensmut“ seines Freundes. „Und wenn er mal ins Sinnieren kommt, dann gebe ich ihm den notwendigen Schubs“, lacht Michael. Beide sind nicht gerade glücklich darüber, dass bei großen Open-Air-Veranstaltungen oft keine behindertengerechten Toiletten zur Verfügung stehen.

„Es ist ein Geben und Nehmen, wir harmonieren prima miteinander“, sagt Michael Amerein, der seine Eltern nach schwerer Krankheit bis zu deren Tod versorgt hat und weiß, „wie wichtig Kommunikation und gegenseitiges Verständnis und Einfühlungsvermögen sind“. Über Inklusion zu reden oder diese praktisch umzusetzen, seien eben zwei Paar Stiefel, fügt Michael hinzu. Dass Andy vor einem echten Zukunftsproblem steht, lässt der Betroffene selbst nicht außen vor. „Es wird mittelfristig schwierig sein, weiter zu Hause zu wohnen. Meine Mutter kommt an ihre Grenzen“, sagt Andy und er setzt ganz realistisch hinzu: „Ich bin im Kopf noch gut drauf und will auf keinen Fall ins Pflegeheim.“ Vor allem aber würde er gerne in Oberkochen bleiben. Betreutes Wohnen kommt ihm in den Sinn, aber trotz vielfacher Ankündigungen tut sich nichts am Ort. Er habe schon mit dem Bürgermeister geredet. Neuhäuser hofft auf betreutes Wohnen an der Aalener Straße, zentrumsnah.